
In den sommerlichen Abendstunden, wenn die Sonne langsam untergeht und die Natur in ein warmes Licht getaucht wird, kann mit etwas Glück ein seltenes Naturschauspiel beobachtet werden. Majestätisch und zugleich unscheinbar bewegt sich ein Insekt durch die Brandenburger Wälder, das für viele Menschen kaum bekannt ist.
Doch nun rückt es in den Fokus der Aufmerksamkeit – zumindest für die kommenden Wochen. Eine Initiative des Landesumweltamts ruft zur Mithilfe auf und richtet sich an alle Naturfreunde mit wachem Blick. Wer das Wesen sichtet, kann Teil eines bedeutenden Projekts werden – doch was steckt wirklich dahinter?
1. Wenn der Käfer fliegt: Ein Aufruf zur Mithilfe

Seit wenigen Tagen kursiert ein ungewöhnlicher Appell durch Brandenburgs Medienlandschaft: Bürgerinnen und Bürger sollen beim Zählen eines bestimmten Käfers mithelfen. Das Landesamt für Umwelt ruft erneut zur Beteiligung auf, die bereits in der Vergangenheit ein überraschendes Echo fand.
Vor allem Menschen, die gerne draußen unterwegs sind, werden angesprochen. Spaziergänger, Wanderer oder Gartenbesitzer könnten dabei zufällig auf diesen fliegenden Riesen treffen. Auch wenn der Aufruf simpel klingt, geht es dabei nicht um eine gewöhnliche Insektenzählung. Warum der Käfer so besonders ist, bleibt zunächst unklar.
2. Beobachten statt sammeln: Was erlaubt ist – und was nicht

Viele Naturinteressierte sind sofort bereit, bei Zählaktionen mitzuwirken. Doch in diesem Fall gelten besondere Regeln: Das Umweltministerium mahnt zur Vorsicht und stellt klar, dass das Tier nicht gestört oder gar eingefangen werden darf. Die Bevölkerung ist lediglich dazu aufgerufen, Beobachtungen zu melden – digital und anonym.
Der Schutzstatus dieses Insekts ist nämlich besonders hoch. Die Einhaltung der Vorschriften ist essenziell für das Gelingen des Projekts. Erst wer den Hintergrund der strengen Vorgaben kennt, versteht, weshalb schon das bloße Berühren des Tieres problematisch sein kann – und wie fragil seine Existenz wirklich ist.
3. Ein Rekordjahr als Motivation: Rückblick auf 2020

Der aktuelle Aufruf ist kein Novum. Bereits im Jahr 2020 wurde eine ähnliche Aktion durchgeführt – mit erstaunlichem Ergebnis. Damals gingen 137 Meldungen aus der Bevölkerung ein. Für Fachleute war dies ein unerwarteter Erfolg, der neue Erkenntnisse über die Verbreitung lieferte.
Die Zahl mag gering erscheinen, doch für eine bedrohte Käferart sind solche Sichtungen von hohem Wert. Sie bilden die Grundlage für Schutzkonzepte und langfristige Strategien. Erst durch diese Beteiligung wurde sichtbar, wo sich die Tiere bevorzugt aufhalten – und wo sie komplett fehlen. Eine flächendeckende Erfassung wäre ohne die Bevölkerung unmöglich.
4. Unsichtbar und doch da: Die Lebensweise des Hirschkäfers

Der gesuchte Käfer lebt verborgen – und genau das macht ihn so schwer zu erfassen. Die Tiere sind hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktiv, was Sichtungen zusätzlich erschwert. Viele leben Jahre im Verborgenen, bevor sie als Käfer an die Oberfläche kommen.
Tagsüber halten sie sich oft im Unterholz auf oder verstecken sich in alten Baumstümpfen. Nur wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, bekommt ihn zu Gesicht. Diese heimliche Lebensweise macht systematische Untersuchungen nahezu unmöglich. Deshalb ist jede Meldung wertvoll – denn sie ist oft der einzige Beleg für das Überleben der Art in bestimmten Regionen.
5. Ein Riese unter Insekten: Der Hirschkäfer im Porträt

Er ist nicht nur groß – er ist beeindruckend. Der Hirschkäfer, wissenschaftlich Lucanus cervus, gehört zu den größten Käferarten Europas. Männchen können eine Körperlänge von bis zu acht Zentimetern erreichen. Markant sind die geweihartigen Kiefer, mit denen sie um Weibchen kämpfen.
Seine Farbe reicht von tiefem Braun bis Schwarz, die Flügeldecken glänzen metallisch. Die schiere Größe und das unverwechselbare Aussehen machen ihn einzigartig – und dennoch bleibt er vielen Menschen völlig unbekannt. Erst gegen Ende des Sommers ist er überhaupt sichtbar – denn seine adulten Lebenswochen sind kurz und kostbar.
6. Wo die Käfer fliegen – und wo nicht

Trotz aller Bemühungen bleibt die Verbreitung ungleich: Besonders südlich von Berlin werden die Tiere regelmäßig gesichtet. In den nördlichen Teilen Brandenburgs hingegen nimmt die Zahl rapide ab – im Nordosten und Nordwesten fehlen Nachweise nahezu völlig.
Experten vermuten, dass dies mit dem Verlust geeigneter Lebensräume zusammenhängt. Alte Eichenbestände und morsche Baumstämme, die der Käfer zur Entwicklung braucht, sind selten geworden. Genau hier kommt die Zählaktion ins Spiel: Jede Meldung hilft, diese Lücken zu verstehen und gezielt Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Denn nur was wir kennen, können wir auch bewahren.